Hypnose Praxis Jürgen Rank
 

Die Angst zu vertrauen – wenn das Misstrauen krankhaft wird


Eine gesunde Portion Misstrauen legt im Normalfall jeder an den Tag. An sich ist das auch ein gesunder Mechanismus, weil es den Betreffenden vor körperlichem, emotionalem oder geschäftlichem Schaden schützt. Jeder Mensch sollte aber auch dazu in der Lage sein, anderen Menschen Vertrauen entgegen zu bringen, insbesondere, wenn er sie länger kennt oder regelmäßig mit diesen in Kontakt ist. Ein klassisches Beispiel: Auch wenn dank der modernen Möglichkeiten des Internets jeder seine finanziellen Angelegenheiten selbst regeln kann, vertrauen wohl die meisten Verbraucher ihren Bankberatern oder Versicherungsvertretern. Auch wenn sie wissen, dass sie etwas schlechtere Konditionen erhalten, schätzen sie den persönlichen Ansprechpartner und vertrauen darauf, dass jener die optimale Lösung für sie findet – zumindest, wenn die Verbraucher wissen, was sie wollen.

Hier kritische Fragen zu stellen, ist ein ganz normales Verhalten und zeugt lediglich von einer gesunden Skepsis. Ist jemand hingegen allem und jedem gegenüber misstrauisch und hinterfragt jede Kleinigkeit, ist das Verhältnis von Vertrauen und Misstrauen im Ungleichgewicht und kann für die Betroffenen im Lauf der Zeit massive Einschränkungen und Nachteile mit sich bringen. Die Angst vor Vertrauen kann sich dabei in vielen gesellschaftlichen Konstellationen und Situationen äußern, im Freundes- und Kollegenkreis ebenso wie in der Partnerschaft. Äußern kann sich die Angst zu vertrauen oder zu großes Misstrauen auf vielfältige Weise, etwa als Angst davor, belogen zu werden oder auch die Angst davor, betrogen zu werden. 

Warum Vertrauen wichtig ist

Vertrauen wird gemeinhin als der Wille definiert, sich verletzlich zu zeigen kann. Im Alltag zeigt sich das Vertrauen, in welchen der Vertrauende eine Verletzung oder einen Schaden riskiert – er kann also weniger gewinnen als verlieren. Der Vertrauende liefert sich einer Person mit der Erwartung, dass diejenige die Situation nicht zu seinem Schaden ausnutzt, aus. Grundsätzlich hat jeder Mensch das sogenannte Ur-Vertrauen, das jedes Kleinkind seinen Eltern gegenüber besitzt. Schließlich ist ein Kind in den ersten Lebensmonaten- und jahren seiner Umwelt völlig hilflos ausgeliefert und auf die liebevolle Pflege durch seine Eltern angewiesen.

In den ersten Lebensjahren wird also das Verhältnis, das jeder sich selbst, seinen Mitmenschen und seiner Umwelt maßgeblich. Eine lieblose Behandlung oder gar Nichtbeachtung führen hingegen zu einem mangelnden Selbstwert und letztlich auch zu Misstrauen und der Angst zu vertrauen.

So entsteht (Selbst)Vertrauen

Die Eltern beeinflussen also maßgeblich, ob ihre Kinder später ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln und auch anderen Menschen vertrauen können. Am besten gelingt dies, indem die Kinder Schritt für Schritt an neue Aufgaben herangeführt werden, ermutigt werden, wenn sie versuchen diese zu lösen und für einen Erfolg gelobt werden.

Natürlich spielen auch weitere Erfahrungen, etwa in Schule und Pubertät, eine wichtige Rolle für den Aufbau des Selbstwertgefühles: Kinder, die häufig von ihren Mitschülern gehänselt oder gar gemobbt werden, fühlen sich rasch wertlos und nichtsnutzig. Verstärkt wird diese Tendenz noch zusätzlich, wenn das Vertrauen in andere durch schmerzhafte Kränkungen und Enttäuschungen zerstört wird oder es sogar zu einem sexuellen Missbrauch kommt.

Die Folge von mangelndem Vertrauen: Isolation

Wer eine Angst zu vertrauen oder ein übermäßiges Misstrauen entwickelt, zieht sich von seiner Umwelt zurück – umso mehr, je öfter sein Vertrauen enttäuscht wurde. Die Betroffenen hoffen eben darauf, nicht mehr enttäuscht werden zu können, wenn sie niemandem mehr vertrauen. Sie laufen damit aber auch Gefahr, zu Eigenbrötlern ohne jeglichen sozialen Kontakte zu werden.

Lässt sich das Vertrauen wieder erlernen?

In der hypnosystemischen Therapie kann der Thearpeut den betroffenen Klienten unterstützen, wieder Vertrauen zu sich und anderen Menschen zu gewinnen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich der Klient bewusst dafür entscheidet, wieder vertrauen zu wollen. Im Gespräch werden deshalb zunächst die negativen Erfahrungen und die Empfindungen des Klienten gemeinsam aufgearbeitet. Im Rahmen der Hypnosesitzung werden anschließend die negativen Emotionen, die sich teilweise tief im Unterbewusstsein verankert haben, durch positive ersetzt.

Weil das Vertrauen in einen anderen Menschen Zeit braucht, um langsam zu wachsen, geht eszunächst einmal darum, das Selbstvertrauen des Klienten wieder aufzubauen. Sprich: Die positiven Kompetenzen des Klienten werden gestärkt. Denn wer selbstbewusst durch das Leben geht und das auch nach außen hin ausstrahlt, wird auch weniger oft von seinen Mitmenschen enttäuscht oder ausgenutzt.