Hypnose Praxis Jürgen Rank
 


Beziehungsangst: Wenn zu viel Nähe ein Problem wird

Selbst Menschen, die in langjährigen Beziehungen leben, sind vor Beziehungsangst nicht gefeit. Die Betroffenen können beispielsweise ihren Partner nicht mehr küssen, geschweige denn Sex mit ihm zu haben. Diese Situation belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Partnerschaft, insbesondere wenn sich die Beziehungsangst in einer längerfristigen Partnerschaft zeigt.

Was ist Beziehungsangst?

In der Psychologie versteht man unter dem Begriff Beziehungsangst die Furcht davor, über einen längeren Zeitraum eine enge Beziehung mit einem Partner zu führen. Die Beziehungsangst hindert die Betroffenen oft daran, zu ihrem Lebenspartner eine stabile Beziehung aufzubauen. Sehr oft geht die Beziehungsangst mit einer Verlustangst einher. 

Bindungsangst – was bedeutet das?

Geht ein Mensch eine Beziehung zu einem anderen Menschen ein, baut er zu diesem Vertrauen auf. Dieses Vertrauen stellt die Basis dafür dar, dass in einer Beziehung dauerhaft eine Verantwortung für den anderen übernommen wird. Als Vorbild für die Beziehungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens eingeht, dient die Beziehung, die er als Kind zu seiner Mutter aufgebaut hat. Sofern es Mutter und Kind nicht gelingt, eine stabile Beziehung aufzubauen oder kommt es in dieser Konstellation zu einer für das Kind schmerzhaften Trennung, wird das Kind zwangsläufig eine Angst vor Abhängigkeit, aber auch vor zu viel Nähe oder einer Bindung entwickeln.

Grundsätzlich handelt es sich beim Bedürfnis um Nähe nämlich um ein menschliches Grundbedürfnis. Bleibt dieses unerfüllt, verdrängt der Mensch den Schmerz darüber in aller Regel. Um die eigene, verletzte, Psyche zu schützen, kann es sogar dazu kommen, dass die Betroffenen das Bedürfnis nach Nähe von ihrem eigenen Ich abkoppeln. Die Betroffenen glauben, dadurch ihren Wunsch nach Nähe sowie eventuelle Abhängigkeitsängste zu kontrollieren.

So zeigt sich Bindungsangst

Menschen, die unter Beziehungsangst leiden, haben oft ein wenig ausgeprägtes Verantwortungsgefühl gegenüber ihrem näheren sozialen Umfeld und neigen zur Eigenbrötlerei. Oft lässt sich auch feststellen, dass die Bezugspersonen rasch wechseln, wobei viele Kontakte nur kurzzeitig bestehen und einen eher flüchtigen Charakter haben.

Damit Menschen eine Verlustangst entwickeln können, müssen sie zunächst einmal in der Lage sein, Bindungen einzugehen. Üblicherweise tritt die Verlustangst dann auf, wenn eine Beziehung – etwa durch einen Dritten – gefährdet erscheint. Menschen, die einen Hang zur Verlustangst haben, haben ein eher labiles Selbstwertgefühl und neigen zu Eifersucht.

Gibt es in der partnerschaftlichen Bindung ein Problem, zeigt sich dieses meist zunächst in der Sexualität, die in einer Partnerschaft eigentlich als stärkste Bindungskraft fungiert. Weil die Balance zwischen Nähe und Distanz gestört ist, zeigt sich dies am häufigsten im Bereich der Sexualität.

Die Symptome einer Bindungsangst

Wer sich trotz Bindungsangst dennoch auf eine Beziehung einlässt, verhält sich dem Partner gegenüber oft abweisend und kühl – manchmal sogar aggressiv. Sehr oft bekommt der Partner auch zu hören, er würde den anderen einengen und seine Freiheit nehmen. Auch dass Menschen mit Beziehungsangst eine Beziehung aus heiterem Himmel verlassen, ist nicht selten. 

Vielfach äußert sich eine Beziehungsangst auch durch – teilweise heftige – körperliche Reaktionen. Panikattacken treten ebenso auf wie Herzrasen, das Gefühl von Beklemmung oder Schweißausbrüche. Sehr oft tritt die Verlustangst als Folgeerscheinung nach mehreren Trennungen auf. Die Betroffenen werden also hinsichtlich Beziehungen vorsichtiger, entwickeln gegenüber dem Partner eine regelrechte Angst und bauen um sich herum einen Schutzmantel auf.

Lässt sich die Beziehungsangst therapieren?

Menschen mit Beziehungsangst sind nicht zwangsläufig beziehungsunfähig. Im Rahmen der Therapie wird ergründet, woher die Beziehungsangst resultiert, da dies den Betroffenen meist unbekannt ist. Häufig hat die Beziehungsangst ihre Ursachen in der Kindheit, beispielsweise weil die Betroffenen als Kind die Trennung ihrer Eltern mitbekommen haben. Dadurch verbinden sie emotionale Bindungen unbewusst mit Negativem. Diese negativen Erfahrungen werden im Rahmen der Therapie aufgearbeitet, sodass die Betroffenen einen anderen Umgang mit ihren Emotionen und Beziehungen erfahren können. Die Beziehungsangst zu überwinden ist allerdings ein eher langwieriger Prozess und erfordert auch seitens des Partners viel Geduld und Liebe.