Hypnose Praxis Jürgen Rank
 


Dysmorphophobie: Wenn sich ein stolzer Schwan als hässliches Entlein sieh


Bei der Dysmorphophobie handelt es sich um eine massive psychische Störung, welche die Betroffenen glauben macht, sie seien hässlich oder sogar entstellt. Sie leiden also unter einer gestörten Wahrnehmung ihres eigenen Körpers. Wer unter Dysmorphophobie leidet, stellt sich beispielsweise oft vor, dass er eine ausgeprägte Hauterkrankung hat oder einen unangenehmen Körpergeruch verbreitet, obwohl das nicht der Fall ist. Bei ihrer übermäßigen Sorge um ihr Aussehen legen sie den Fokus oft auf ein bestimmtes Körperteil, welches sie als missgestaltet empfinden. Diese gestörte Form der Selbstwahrnehmung stellt eine enorme Belastung dar, sodass sich die Betroffenen aus Furcht vor Ablehnung oft komplett aus dem sozialen Leben zurückziehen.

Dysmorphophobie: So äußert sich die Störung

Leidet ein Mensch unter Dysmorphophobie – oft wird die Störung auch als körperdysmorphe Störung bezeichnet, beschäftigt er sich in seinen Gedanken ständig um sein Aussehen. Selbst wenn ein Körperteil nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen sollte, wird dies von den Betroffenen wesentlich schlimmer wahrgenommen als im Normalfall. In den meisten Fällen richten sie ihre Aufmerksamkeit vor allem auf ein Körperteil, bei Frauen sind es oft Gesicht, Brüste, Hüfte oder Beine. Männer hingegen fühlen sich oft entstellt, wenn sie eine übermäßige Körperbehaarung oder zu wenige Muskeln haben – auch unschön geformte Genitalien können für sie zum Problem werden.

Für den Laien erscheint diese psychische Problematik auf den ersten Blick vielleicht relativ harmlos. Für die Betroffen kann sie jedoch massive Folgen für ihr gesamtes Leben haben: Sie schämen sich für ihr Aussehen und ziehen sich deshalb auch oft von Freunden und sogar der Familie zurück, nicht selten wird auch die Arbeit vernachlässigt. Ein erhöhtes Suizidrisiko besteht, weil etwa 50 Prozent aller Menschen, die unter Dysmorphophobie leiden, auch Selbstmordgedanken haben. Weil Menschen, die unter Dysmorphophobie leiden, ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen, wie Menschen, die unter einer Zwangsstörung leiden, wird diese Problematik heute den Zwangsspektrumsstörungen zugerechnet.

Betroffen sind bis zu 2,4 Prozent der Weltbevölkerung, wobei das Problem bei Frauen etwas häufiger auftritt als bei Männern. Vielfach lässt sich beobachten, dass sich diese Form der gestörten Selbstwahrnehmung bereits in der Jugend entwickelt. Zusätzlich leiden die Betroffenen an weiteren Erscheinungen wie Zwangsstörungen, sozialen Phobien oder Symptomen einer Depression.

Diese Symptome treten bei einer Dysmorphophobie auf 

Wer unter einer Dysmorphophobie leidet, beschäftigt sich ständig mit seinen vermeintlichen Makeln und kann die selbstabwertenden Gedanken, die ihn beherrschen, nicht kontrollieren. Beispielsweise überprüfen sie die scheinbaren Makel ständig im Spiegel – auch wenn sie sich dabei schlecht fühlen. Andere wiederum vermeiden den Blick in den Spiegel und lassen sich in der Öffentlichkeit nicht mehr blicken. Meist sind die Betroffenen darum bemüht, ihren vermeintlichen Makel zu verstecken oder lassen sich deshalb sogar von einem Schönheitschirurgen behandeln. Trotzdem ändert das nichts daran, dass sie sich ob ihres Aussehens schämen. 

Welche Ursachen hat Dysmorphophobie?

Verursacht wird die Dysmorphophobie nach Lehrmeinung durch eine Mischung aus psychosozialen und biologischen Faktoren, aber auch die in der Gesellschaft geltenden Wertevorstellungen bezüglich der Schönheit spielen eine wichtige Rolle.

Das heißt: Erlebnisse aus der Kindheit können maßgeblich dazu beitragen, dass ein Betroffener dieses Störungsbild entwickelt, als Risikofaktoren gelten Vernachlässigung oder Missbrauch. Gefährdet sind aber auch Kinder, welche überbehütet aufwachsen. Die Betroffenen haben elterliche Zuneigung oft für ihr Aussehen statt wegen ihrer Persönlichkeit erfahren. Kommt es im Lauf der Kindheit und Jugend zu Mobbing oder Hänseleien, wird das Aussehen oft in Frage gestellt. Gefährdet sind also vor allem ängstliche und schüchterne Menschen, deren Selbstwertgefühl nur schwach ausgeprägt ist.

Zu den biologischen Faktoren, die zum Entstehen der Störung beitragen können, gehört ein gestörter Serotonin-Haushalt. Diese Annahme ist zwar nicht gesichert, jedoch wird sie durch die Tatsache gestärkt, dass eine Behandlung, bei welcher Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer zum Einsatz kommen, Linderung verschafft.

Darüber hinaus wird die Symptomatik der Dysmorphophobie durch Verhaltensweisen und das Denken der Betroffenen aufrecht erhalten. Sehr oft haben diese nämlich einen perfektionistischen Anspruch an ihr Äußeres, der sich nicht erreichen lässt. Gibt es Abweichungen und Veränderungen an ihrem Idealbild von sich, nehmen sie diese also stärker wahr, weil sie sich extrem auf das äußere Erscheinungsbild konzentrieren. Weil sie ständig in den Spiegel blicken und sich vom sozialen Umfeld zurückziehen, wächst das Gefühl, hässlich zu sein, zusätzlich.

Darum ist die Problematik schwer zu erkennen

In vielen Fällen bleibt eine Dysmorphophobie unerkannt, weil depressive Symptome die eigentliche Problematik überlagern. Dass sich hinter der starken Sorge um das Äußere eine psychische Problematik verbergen könnte, ist den Betroffenen meist auch nicht klar. Eine sichere Diagnostik kann nur ein Psychologe oder Psychiater im Rahmen eines ausführlichen Anamesegespräches stellen.

So wird Dysmorphophobie behandelt

Nach schulmedizinischer Lehrmeinung wird Dysmorphophobie durch kognitive Verhaltenstherapie – gegebenenfalls in Verbindung mit Medikamenten – behandelt. Bei dieser Problematik unterscheidet sich die Vorgehensweise in der Hypnosystemik nicht allzu sehr von der Schulmedizin, außer dass auf Medikamente verzichtet wird. Zunächst einmal geht es dem Therapeuten darum, im Gespräch mit seinem Klienten mögliche Ursachen herauszufinden. Sobald die Ursachen offengelegt sind, erkennt der Klient nämlich meist selber, dass im Grunde ein völlig anderes Problem dahinter steckt.

In der Therapie geht es in der Folge darum, dass die Klienten belastende Gedanken selbst erkennen und verändern oder auf diese anders reagieren als in der Vergangenheit. Ferner werden die überzogenen Ansprüche an sich selbst durch realistische ersetzt. Schließlich sollen die Klienten außerdem ihren vermeintlichen Makel in der Öffentlichkeit nicht mehr verstecken, sondern offen zeigen. Dadurch machen sie die Erfahrung, dass dieser von anderen oft gar nicht bemerkt wird, woraufhin sich auch die Gedankenwelt der Betroffenen ändert.