Hypnose Praxis Jürgen Rank
 


Klaustrophobie: Wenn enge Räume Angst machen


Umgangssprachlich wird der Begriff Klaustrophobie gern mit Platzangst gleichgesetzt, was allerdings nicht korrekt ist. Denn bei der Klaustrophobie handelt es sich vielmehr um eine Angst vor Enge und engen oder geschlossenen Räumen, also vielmehr um eine Raumangst. Müssen sich die Betroffenen dieser Situation stellen, verspüren sie oft eine panikartige Angst, sie könnten ersticken oder weil sie nicht fliehen können. Sie haben keine Kontrolle über die Situation und ihre Emotionen und nicht selten kommt es auch zu heftigen körperlichen Reaktionen. Dabei hat der moderne Mensch im Alltag kaum Möglichkeiten, entsprechenden Situationen aus dem Weg zu gehen: Klaustrophobie kann in einem Fahrstuhl oder einem vollen Kinosaal ebenso zum persönlichen Alptraum werden wie etwa unter der Sonnenbank oder in der U-Bahn. Mit professioneller Hilfe lässt sich diese Angst allerdings sehr gut kontrollieren und sogar überwinden.

In der Psychologie wird die Klaustrophobie den spezifischen Phobien zugerechnet, bei welchen die Betroffenen in ganz bestimmten Situationen unangemessen starke Angstgefühle quälen. Nicht selten tritt die Klaustrophobie in Zusammenhang mit der Agoraphobie, also der Angst vor weiten Plätzen oder Menschenmengen, auf.


Welche Ursachen hat eine Klaustrophobie?

Die Angst vor der Enge kann auf unterschiedliche Ursachen zurückgehen, wobei in der Regel mehrere Faktoren zusammen kommen. Welche das sein können, ist noch nicht völlig geklärt. So vertreten Anhänger des lerntheoretischen Ansatzes die Meinung, dass sich eine Klaustrophobie in einem sogenannten Stufenprozess entwickelt. Das heißt: Die Betroffenen „erlernen“ zunächst die Angst vor der Enge und vermeiden die entsprechenden Situationen künftig, wodurch sich die Angst jedoch verstärkt. Weil aber nicht jeder, der einmal in einem Fahrstuhl stecken geblieben ist, eine Klaustrophobie entwickelt, kommen noch weitere Situationen hinzu. Einen entscheidenden Faktor spielt etwa die Frage, wie stark der Betroffene die Angstsymptome wie Zittern oder Schweißausbrüche in der Situation wahrnimmt und die Symptome bewertet. Oft fassen die Betroffenen diese Symptome als Gefahr auf, wodurch die Symptome weiter verstärkt werden – die Angst wächst also. Nun stecken die Betroffenen in einem Teufelskreis fest, weil sie darin bestätigt werden, dass ihnen in dieser Situation etwas zustoßen kann.

In der psychoanalytischen Theorie geht man hingegen davon aus, dass bei einer Klaustrophobie innere Konflikte nach außen verlagert. Das heißt: Die Betroffenen haben nicht wirklich Angst vor engen Räumen, sondern ihr Unterbewusstsein verknüpft ein unbewusste Fantasie symbolisch mit engen Räumen. Neurobiologen vertreten dagegen die These, dass neben den Umweltbedingungen auch individuelle Komponenten eine wesentliche Rolle spielen, ob jemand eine Angststörung entwickelt. Beispielsweise könnte das autonome Nervensystem aufgrund einer genetischen Veranlagung schon von Geburt an sehr labil und leicht erregbar sein. Auch ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn wie Noradrenalin oder Serotonin zählt zu den individuellen Komponenten.


So äußert sich die Klaustrophobie

Betroffene, die unter Klaustrophobie leiden, zeigen charakteristische Angstsymptome, die von Fall zu Fall natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Dazu gehören: u.a.

- Angstgefühle, die sich zu einer Panik steigern können

- Herzklopfen und Herzrasen

- Ein Engegefühl in der Brust (oft verbunden mit dem Gefühl, keine Luft zu bekommen)

- Übelkeit

- Schweißausbrüche

- Zittern

- Harn- und Stuhldrang

Die Betroffenen haben Angst vor einem Kontrollverlust. Oft haben sie das Gefühl, zu ersticken, ohnmächtig zu werden, verrückt zu werden oder zu sterben. Folglich möchten sie dieser Situation schnellstmöglich entkommen. Diese Symptome können bereits auftreten, wenn sie nur daran denken, dass sie beispielsweise einen Fahrstuhl betreten müssen. Als Folge versuchen sie, die auslösenden Situationen zu vermeiden, was jedoch dazu führen kann, dass mehr und mehr Situationen gemieden werden. Letztlich ist der Alltag von Klaustrophobikern durch ihre Angst also massiv eingeschränkt.

Auf den ersten Blick erscheint die Diagnose einer Klaustrophobie also relativ einfach zu sein. Dennoch erkundigt sich der Psychologe näher nach den Beschwerden und fragt unter anderem wann und in welchen Situationen die Angstgefühle auftreten, wie lange sie anhalten und wie stark ausgeprägt sie sind. Als Hilfsmittel zur Diagnose wird gern ein sogenanntes Angsttagebuch verwendet. Denn zunächst muss abgeklärt werden, ob die Betroffenen tatsächlich unter einer reinen Klaustrophobie leiden oder ob diese durch eine andere Erkrankung wie Agoraphobie verursacht wird. Denn Symptome wie Herzrasen oder Schweißausbrüche können auch bei organischen Erkrankungen wie einer Überfunktion der Schilddrüse auftreten. Eine zusätzliche organische Untersuchung ist für eine gesicherte Diagnose also unerlässlich.


Wie wird eine Klaustrophobie behandelt?

Die Schulmedizin verfolgt zur Behandlung von Klaustrophobie verschiedene Formen der Verhaltenstherapie. So wird dem Klienten beispielsweise zunächst erklärt, welche Denkmuster und Emotionen in der angstauslösenden Situation zum Tragen kommen. Anschließend wird der Klient – oft in Begleitung des Therapeuten – diesen Situationen schrittweise gezielt ausgesetzt, bis die Ängste nachlassen oder komplett verschwinden.

Die Behandlung erfolgt in der Hypnosystemik nach einem ähnlichen Ablauf, nur dass hier einen Schritt weiter gegangen wird: Der Therapeut arbeitet mit dem Klienten zusammen zunächst die auslösenden Situationen und Emotionen heraus. Anschließend vermittelt der Therapeut dem Klienten, wie dieser die Angstgefühle kontrollieren kann, bevor sie zu einem Problem werden. Im Hypnoseteil werden die angstauslösenden Emotionen, die vielfach tief im Unterbewusstsein verankert sind, durch positive Assoziationen ersetzt. Der Klient fällt – konfrontiert mit der konkreten Situation – also nicht in die altbekannten Muster zurück und kann schon nach relativ kurzer Zeit wieder angstfrei leben.