Hypnose Praxis Jürgen Rank
 

Wer war Milton Erickson?

Bei Milton Erickson handelt es sich um einen US-amerikanischen Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater. Bekannt wurde er dadurch, dass er die moderne Hypnose und vor allem die Hypnotherapie maßgeblich geprägt hat. Milton Erickson ist es auch zu verdanken, dass die Hypnotherapie in der Psychotherapie zunehmend eingesetzt wird.

Milton Erickson – sein Leben

Geboren wurde Milton Erickson als zweites von neun Kindern des Ehepaares Clara und Albert Erickson am 5. Dezember in Aurum, Nevada. Als Milton Erickson fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Lowell in Wisconsin um. Dort besuchte er die Grundschule, im nahe gelegenen Wishfield die High School. Während der Schulzeit litt er an Legasthenie, was ihm den wenig schmeichelhaften Spitznamen „Dictionary“ einbrachte. Obwohl er lange als zurückgeblieben galt, konnte Milton Erickson seine Legasthenie offensichtlich überwinden. Das gelang ihm, in dem er sich schwierige Buchstaben immer wieder vorstellte, also mental visualisierte.

Kurz nachdem Milton Erickson die High School abgeschlossen hatte, erkrankte er 1919 an Kinderlähmung, wobei er sogar ins Koma fiel. Nun schien es drei Tage lang so, als würde er die Krankheit nicht überleben. Dann kam er wieder zu Bewusstsein – jedoch war er am ganzen Körper gelähmt.

Während er monatelang bewegungslos in einem Schaukelstuhl saß, schulte er seine Wahrnehmung und experimentierte mit seiner Vorstellungskraft. Weil er sich intensiv wünschte, aus einem Fenster zu schauen, gelang es Milton Erickson, durch eine ideomotorische Bewegung den Schaukelstuhl leicht in Bewegung zu versetzen. Dadurch wurde er zu weiteren Übungen motiviert und es gelang ihm, durch Imagination die Muskulatur wieder funktionstüchtig zu machen. Es sollte ein Jahr dauern, bis er zumindest an Krücken gehen und die Universität von Wisconsin besuchen konnte.

Den ärztlichen Rat, sich auszuruhen, ignorierte Milton Erickson – er unternahm stattdessen einen 1.200 Meilen langen Trip mit dem Kanu auf dem Mississippi, wodurch er seinen Körper erheblich stärkte. Es sollte allerdings noch zwei Jahre dauern, bis er wieder ohne Krücken gehen konnte, zurück blieb nur ein Hinken am rechten Bein.

Milton Erickson und die Hypnose

Die Hypnose faszinierte Milton Erickson schon während des zweiten Jahres an der Universität. Deshalb übte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit und entwickelte auch eigene Techniken. Auch hier stellte sich Milton Erickson gegen die damals herrschende Lehrmeinung, indem er Methoden entwickelte, die auf das Individuum zugeschnitten waren. Das Studium schloss er mit einem Doktor der Medizin und einem Master of Arts 1928 ab.

Zwischen 1930 und 1934 arbeitete er am Worcester State Hospital in Massachusetts in verschiedenen Positionen und hatte außerdem die Gelegenheit, weiter an den Einsatzmöglichkeiten der Hypnose zu forschen. Die Approbation als Facharzt für Psychiatrie erhielt er fünf Jahre später. 1948 musste er seine Professur an der Wayne State Universität in Detroit aufgeben. Der Grund: Im Jahr zuvor hatte er einen Fahrradunfall und ließ sich trotz einer bekannten Allergie gegen den Impfstoff gegen Tetanus impfen. Das wiederum hatte einen anaphylaktischen Schock und anschließend schwere Allergien zur Folge hatte. Er war also gezwungen, nach Phoenix, Arizona umzuziehen, wo ein milderes Klima herrschte. Fortan betrieb er seine Praxis von zu Hause aus.

Die Amerikanische Gesellschaft für Klinische Hypnose gründete Milton Erickson 1957 und wurde auch deren Vorsitzender. Weil sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte, musste Milton Erickson 1969 seine Reisen und Vorträge aufgeben, 1974 auch die Praxis.

Das hat Milton Erickson für die Psychologie getan


Nachdem Sigmund Freud die Hypnose abgelehnt hatte, war sie in der Psychotherapie lange Zeit verpönt. Milton Erickson hatte jedoch einen Ansatz entwickelt, der es notwendig macht, einen besonderen Ansatz für jeden einzelnen Patienten zu finden. Damit stellte er sich gegen die gängige Lehrmeinung, nach der in den 1950er und 1960er Jahren standardisierte Verfahren bevorzugt wurden. Anders als Freud sah Milton Erickson die Rolle des Unterbewussten auch positiv, nämlich als eine schier unerschöpfliche Quelle für Möglichkeiten der Selbstheilung.


Mit seinem Ansatz prägte Milton Erickson zahlreiche Therapeuten seiner Zeit. Auch die verschiedenen Ansätze der systemischen Therapie sowie die Familientherapie wurden von ihm maßgeblich beeinflusst. Mit seinen Publikationen gelang es Milton Erickson, die Auffassung von Hypnose und ihrer Bedeutung zu erweitern. Die Milton-Erickson-Gesellschaft wurde 1978, also zwei Jahre vor dessen Tod, gegründet.